Ziel des Simulatortrainings ist es insbesondere, in der zeitlichen Enge einer „Notfallsituation" rasch und unter Einbeziehung aller relevanten Faktoren die richtigen Entscheidungen zu treffen. Diesem Konzept hat sich auch die Medizin, und hier insbesondere die Anästhesiologie, international seit einigen Jahren zugewandt. Gerade im Operationssaal, an der Intensivstation, in der präklinischen Notfallmedizin, aber auch in anderen Akutbereichen (z.B. Notfallambulanzen, Schockraum usw.) spielt die Interaktion zwischen Mensch, Technik und Organisation eine ähnliche Rolle wie in der Luftfahrt.
Das Trainingskonzept des NÖ Zentrum für Medizinische Simulation und Patientensicherheit folgt dabei internationalen Vorgaben: so sind alle Trainer nach den Richtlinien des ACRM („Anesthesia Crisis Ressource Management" nach David Gaba, University of Stanford, USA [[i],[ii]]) ausgebildet und haben Ausbildungslehrgänge in Tübingen, Mainz, Dresden und Wien absolviert. Kompetenz in Fragen der Erwachsenen- bildung wie auch in der Vermittlung medizinischer Lehrinhalte konnten sie durch ihre meist langjährige Lehrtätigkeit (u.a. als Instruktoren des European Resuscitation Councils - https://www.erc.edu/) sowie ihre klinische Berufserfahrung (Fachärzte mit Leitungs- und Ausbildungs- verantwortung, Fachpflegepersonal aus dem Anästhesie- und Intensiv- bereich, Lehrbeauftragte von Rettungsorganisationen) erwerben. Alle Trainer verfügen zudem über langjährige Erfahrung in der klinischen bzw. präklinischen Notfallmedizin.
Ein Simulationstraining besteht im Wesentlichen aus drei Elementen:
1) Briefing: Hier erfolgt die Teamzusammenstellung, eine kurze Information über Aufgabenstellung und Trainingsschwerpunkte sowie die Einführung in das Trainigsszenario (klinische Situation).
2) Szenario: „Durchspielen" einer Behandlungssituation, so realitätsnah wie möglich. Aufgrund der Verwendung von Simulatoren gelingt dies allerdings ohne jedes Patientenrisiko.
Szenario im Schockraum
3) Debriefing: wichtigster Teil des Simulationstrainings. Unter Verwendung von Audio/Video-Aufzeichnungen aus dem Szenario erfolgt eine exakte Analyse der Abläufe.
Debriefing
Von entscheidender Bedeutung ist, dass hier sowohl Teilnehmer wie auch Trainer die Möglichkeit haben, Feedback zu geben, Erlebtes zu reflektieren und offen zu diskutieren sowie gemeinsam Optimierungsmöglichkeiten für das eigene Handeln zu erarbeiten. Das Debriefing wird übrigens - ebenso wie die Vermittlung von Kenntnissen zum Thema Kommunikation, Wahr- nehmung und Entscheidungsfindung- im NÖ Zentrum für Medizinische Simulation und Patientensicherheit durch einen Psychologen unterstützt und begleitet.
Wesentliche Charakteristika der Trainingszenarios sind: medizinisch kritische Situation (Entwicklung einer vitalen Gefährdung unter besonders schwierigen Umständen), kurze Entscheidungszeit, häufig auch ungünstige Rahmenbedingungen und äußere Stressfaktoren.
Szenario an der Intensivstation
Ziel des Simulatortrainings ist es, die (Behandlungs-)Abläufe unter den vorgegebenen Umständen so zu optimieren, dass das beste Ergebnis für den Patienten erzielt werden kann. Koordinierte Zusammenarbeit im Team, Optimierung von Kommunikationsprozessen, Entscheidungsfindung und Nutzung vorhandener Ressourcen sind dabei nur einige der ACRM-Prinzipien, welche dazu vermittelt werden. Die Inhalte der Trainings- szenarien kommen der Realität übrigens nicht ganz zufällig sehr nahe: viele entstammen so genannten Ereignismeldesystemen.
[i] Howard SK, Gaba DM, Fish KJ, Yang G, Sarnquist FH. (1992) Anesthesia crisis resource management training: teaching anesthesiologists to handle critical incidents. Aviat Space Environ Med. 63 (9): 763-70
[ii] Gaba DM (2010) Crisis resource management and teamwork training in anaesthesia. Br J Anaesth. 105(1):3-6.